Portfolio Management 8 min Lesezeit

    Portfolio-Priorisierung für Versicherer

    Portfolio-Listen mit 180 'priorisierten' Vorhaben sind in deutschen Versicherern keine Seltenheit. Niemand glaubt, dass alles in einem Jahr machbar ist — aber niemand traut sich, die Liste zu kürzen. Dieser Artikel beschreibt das Verfahren, mit dem wir in Berliner und deutschlandweiten Versicherern Portfolios wieder steuerbar machen.

    Schritt 1 — Realistische Kapazität sichtbar machen

    Bevor priorisiert wird, muss klar sein, wie viel Kapazität tatsächlich für Change-Vorhaben verfügbar ist — nach Abzug von Run, Pflichtprojekten, Urlaub und Realität. In den meisten Versicherern liegt dieser Wert bei 25–40 % der Brutto-Kapazität.

    Schritt 2 — Bewertung nach Cost of Delay & Aufwand

    Jedes Vorhaben bekommt eine grobe CoD-Schätzung (siehe vorheriger Artikel) und einen T-Shirt-Aufwand. Das ergibt eine WSJF-ähnliche Reihenfolge — gut genug für Portfolio-Entscheidungen, ohne Schein-Genauigkeit.

    Schritt 3 — Kategorien-Quoten festlegen

    Vorstandsentscheidung: Welcher Anteil der Kapazität geht an Regulatorik, an Wachstum, an Effizienz, an strategische Wetten? Innerhalb jeder Kategorie wird nach Schritt 2 priorisiert. Das verhindert, dass Regulatorik alles auffrisst — oder dass Wachstum die Pflichtarbeit verdrängt.

    Schritt 4 — WIP-Limit auf Portfolio-Ebene

    Mehr als 7–10 große Vorhaben gleichzeitig sind nicht steuerbar. Punkt. Was darüber liegt, wartet sichtbar in einer 'Next'-Spalte. Das ist unbequem und ehrlich — und reduziert Multitasking-Kosten dramatisch.

    Schritt 5 — Quartalsweise Re-Priorisierung

    Nicht jährlich. Quartalsweise — kurz, konsequent, mit den gleichen Vorstandsmitgliedern. So bleibt das Portfolio ein lebendes Steuerungsinstrument statt ein Excel-Ritual.

    Möchten Sie das für Ihr Versicherungsunternehmen konkret durchspielen?

    Mehr Kontext zu unserer Arbeit mit Versicherern finden Sie auf unserer Übersichtsseite Agile Coaching für Versicherer.

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